Tür auf – Kinder und Jugend jetzt!

Positionen der AGOT-NRW für eine starke Offene Kinder- und Jugendarbeit

Offene Kinder- und Jugendarbeit – das bedeutet Spaß und Spannung in Einrichtungen und mobilen Angeboten. Ein wichtiger Baustein hinter einer erfolgreichen Offenen Tür sind engagierte Jugendliche, Ehrenamtliche und hauptamtliche Fachkräfte mit Ideen, Konzepten, Programmen und Positionen.

Wir, die AGOT-NRW, laden Sie und euch dazu ein, Positionen, Ideen und Handlungshinweise der Offene Kinder- und Jugendarbeit im Rahmen dieser Seite(n) (neu) zu entdecken und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

Wir freuen uns, wenn Elemente dieser Veröffentlichung dazu beitragen, Offene Kinder- und Jugendarbeit weiter zu entwickeln und in der Kommune zu sichern. Darüber hinaus sind wir über Rückmeldungen, kritische Hinweise und inhaltliche Diskurse zu den vorgestellten Positionen dankbar. Viel Spaß bei der Lektüre!


Mit uns gestalten Kinder und Jugendliche ihren Sozialraum!

In Sozialräumen geht es um eine Vielzahl von sozialen Prozessen in Verbindung mit Orten. Sozialräumliche Jugendarbeit analysiert diese Zusammenhänge, indem sie junge Menschen befragt, an welchen Orten sie sich wann aufhalten, womit und mit wem sie ihre Freizeit verbringen.

Auf Grundlage der Erschließung der kindlichen und jugendlichen Lebenswelten entwickeln Fachkräfte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vielfältige Angebote. Dies können Treffpunkte, gemeinsames Kochen, Konzerte, Exkursionen usw. sein.

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Wenn wir von Räumen sprechen, meinen wir in der Regel Orte, an denen man sich aufhält: der Garten, die Hauptverkehrsstraße, das Jugendzentrum. Und auch in Politik und Verwaltung werden Räume vorzugsweise anhand von Stadtplänen diskutiert: Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf, Gewerbegebiete, Naherholungszentren. Dort schreiben wir Räumen bestimmte Funktionen zu. Schulen sind zum Lernen da und Straßen zum Fahren. Allerdings wird in Schulen nicht nur gelernt und auf Straßen nicht nur gefahren. Es sind Orte, an denen wir leben – zumindest zeitweise.

Der Raum als sozialer Raum ist ein Ergebnis sozialer Praktiken, in dem physisch-materielle Raumaspekte um Beziehungen, Interaktionen und soziale Verhältnisse erweitert werden, die sich wechselseitig beeinflussen. Im Vordergrund steht also nicht das Wo, sondern das Wer, Wie, Warum, Mit-Wem, Von-Wo-Nach-Wo etc. Denken wir beispielsweise an befreundete Jugendliche, die sich spontan per Whatsapp zum Feiern in der Disco verabreden, sich mit Fahrrad und mit dem Bus auf den Weg machen. Unterwegs ändern sie ihre Pläne: die einen möchten lieber einen chilligen Abend machen, die anderen haben gehört, dass die Party am See besser sein soll und gehen lieber dorthin.

In Sozialräumen geht es um eine Vielzahl von sozialen Prozessen in Verbindung mit dem nahräumlichen Umfeld und den Ressourcenpotentialen der Adressat*innen. Sozialraumorientierung bedeutet,

„seinen Sozialraum kennen, präsent sein (…), differenzierte, den örtlichen Gegebenheiten und dem Bedarf entsprechende Gruppenangebote aufbauen (…), fall- und strukturbezogene Ressourcen erschließen, Kontakte knüpfen, Berührungsängste und Widerstände überwinden, mit allen für die Belange von Kindern, Jugendlichen und Familien relevanten Personen, Initiativen und Trägern vor Ort zusammenwirken, Kooperationen pflegen, Vertrauen aufbauen, Impulse aufnehmen und geben, mit Bürgermeister und Gemeinderat verhandeln, pädagogisches Grundlagenmaterial für kommunalpolitische Entscheidungen liefern und nie den Blick auf die allgemeine Lebenssituation der Kinder, Jugendlichen und Familien im gesamten Sozialraum verlieren.“ 1

Sozialräumliche Jugendarbeit analysiert Teile dieser Zusammenhänge, indem sie junge Menschen befragt, an welchen Orten sie sich wann aufhalten, womit und mit wem sie ihre Freizeit verbringen. Fachkräfte der Jugendarbeit begeben sich gemeinsam mit jungen Menschen auf Erkundungstour im Stadtteil, um deren Sichtweise auf ihren Sozialraum kennenzulernen.

Um den Kindern und Jugendlichen in unseren Städten die besten Bedingungen fürs Aufwachsen zu geben, ist es wichtig, ihre Bedürfnisse über Raumgrenzen hinweg zu kennen. Auf Grundlage der Erschließung der kindlichen und jugendlichen Lebenswelten entwickeln Fachkräfte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ein Fingerspitzengefühl für kinder- und jugendgerechte Angebote. Dies können Treffpunkte, gemeinsames Kochen, Konzerte, Exkursionen usw. sein. Zentraler Aspekt ist dabei, dass junge Menschen bei den Angeboten neue Handlungsoptionen erhalten, ihre eigenen Räume schaffen und sich den Raum aneignen können. Sozialräume sind also auch Bildungs- und Erlebnisräume, in denen sich junge Menschen entwickeln und ausleben.

 

Weiter Infos:

http://sozialraum.de/ (zuletzt geprüft am 3. Januar 2019)

Literatur:

Deinet, Ulrich/Krisch, Richard: Das sozialräumliche Muster in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. In: Deinet, Ulrich/Sturzenhecker, Benedikt (Hrsg.): Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit, Wiesbaden 2013

Kessl, Fabian/Reutlinger, Christian: Sozialraum. Eine Einführung, Wiesbaden 2010

Schmid, Peter: Sozialraumorientierung und das Kinder- und Jugendhilferecht – ein Kommentar aus Sicht eines freien Trägers. In: Sozialpädagogisches Institut im SOS-Kinderdorf e.V. (Hrsg.): Sozialraumorientierung auf dem Prüfstand. Rechtliche und sozialpädagogische Bewertungen zu einem Reformprojekt in der Jugendhilfe. München 2001, S.204-213.