Tür auf – Kinder und Jugend jetzt!

Positionen der AGOT-NRW für eine starke Offene Kinder- und Jugendarbeit

Offene Kinder- und Jugendarbeit – das bedeutet Spaß und Spannung in Einrichtungen und mobilen Angeboten. Ein wichtiger Baustein hinter einer erfolgreichen Offenen Tür sind engagierte Jugendliche, Ehrenamtliche und hauptamtliche Fachkräfte mit Ideen, Konzepten, Programmen und Positionen.

Wir, die AGOT-NRW, laden Sie und euch dazu ein, Positionen, Ideen und Handlungshinweise der Offene Kinder- und Jugendarbeit im Rahmen dieser Seite(n) (neu) zu entdecken und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

Wir freuen uns, wenn Elemente dieser Veröffentlichung dazu beitragen, Offene Kinder- und Jugendarbeit weiter zu entwickeln und in der Kommune zu sichern. Darüber hinaus sind wir über Rückmeldungen, kritische Hinweise und inhaltliche Diskurse zu den vorgestellten Positionen dankbar. Viel Spaß bei der Lektüre!


Kinder- und Jugendarbeit braucht eine Lobby!

Lobbyarbeit zielt darauf ab, die eigene(n) Einrichtung(en) langfristig abzusichern und zu stärken. Für Träger und Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bedeutet das in erster Linie, die finanzielle Förderung über den kommunalen Haushalt zu sichern und perspektivisch auszubauen.

Um das zu erreichen muss Jede*r selbst aktiv werden. Hierzu gehören die Beratung der Entscheider*innen und die Gestaltung von Entscheidungsprozessen in Politik und Verwaltung.

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Gemessen an der Anzahl der Einrichtungen sowie der Beschäftigten befindet sich die Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland in keinem guten Zustand: Im Zeitraum von 1998 bis 2014 ist ein Rückgang der Einrichtungen von 12.164 auf 10.390 zu verzeichnen. 1 Die Anzahl der Vollzeitäquivalente – die rechnerischen Vollzeitstellen, die sich bei einer gemischten Personalbelegung mit Teilzeitbeschäftigten ergeben – hat sich in diesem Zeitraum nahezu halbiert. 2

Bezogen auf die Einrichtungen und Beschäftigten in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ergibt sich ein ähnliches Bild:

Rückgänge bei Einrichtungen und Beschäftigten in den Einrichtungen der OKJA

Einrichtungen und tätige Personen in Jugendzentren, Jugend(freizeit)-heimen, Häusern der Offenen Tür (Deutschland; 1998-2014; Angaben absolut)

Quelle: Statistisches Bundesamt: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Einrichtungen und tätige Personen (ohne Tageseinrichtungen für Kinder); versch. Jahrgänge 3

Maßgebliche Gründe für diese Entwicklung liegen in der angespannten Finanzlage der Kommunen in Kombination mit erhöhten Ausgaben für andere Aufgabengebiete, insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. 4 Der Anteil der Ausgaben für Jugendarbeit insgesamt an allen Ausgaben für die Jugendhilfe ist rückläufig. 5 Themen rund um Kinderschutz, Kindertagesbetreuung, Hilfen zur Erziehung und Ganztagsschule dominieren zumeist die fachpolitische Agenda vor Ort. Für Nordrhein-Westfalen scheint sich der Trend einer deutlich sinkenden Zahl von Einrichtungen und Vollzeitäquivalenten (noch) nicht einzustellen. 6

Die empirische Entwicklung ist kein Naturereignis, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen. Politische Entscheidungen aber sind stets das Ergebnis von Interessenkämpfen, die man aktiv (mit)gestaltet. Eine fachliche Auseinandersetzung mit dem Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit, die ebenfalls Pflichtaufgabe jeder Kommune ist, kommt dabei vielerorts zu kurz und wird damit der Bedeutung und dem Gewicht des Arbeitsfeldes in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen nicht gerecht.

Wie kann der Rückgang der für die Offene Kinder- und Jugendarbeit zur Verfügung stehenden Ressourcen gestoppt und umgekehrt werden?

Indem die Träger und Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vor Ort der Entwicklung und Umsetzung von Lobbystrategien mehr Aufmerksamkeit widmen! Die lokalen Akteur*innen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit haben großen Einfluss auf die politische Bedeutung ihres Arbeitsfeldes und damit auch auf die Höhe der finanziellen Ausstattung, wenn sie „gute“ Lobbyarbeit machen.

Was ist Lobbyarbeit?

„Politischen Einfluss muss man nehmen, verschenkt wird er nicht.“ 7

Lobbyarbeit ist methodische Interessenvertretung, also direkte oder indirekte Einflussnahme auf Entscheider*innen und Prozesse in Politik und Verwaltung. Lobbyisten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit rangeln – wie andere Lobbyisten auch – um Geld, Rechtsetzung und Aufmerksamkeit in Politik 8 und Verwaltung. Zentrale Elemente der Lobbyarbeit sind zum einen die Beratung von Entscheider*innen sowie zum anderen die Gestaltung von Entscheidungsprozessen in Politik und Verwaltung. Lobbyarbeit zielt darauf ab, die eigene(n) Einrichtung(en) langfristig abzusichern und zu stärken. Für Träger und Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bedeutet das in erster Linie, die finanzielle Förderung über den kommunalen Haushalt zu sichern und perspektivisch auszubauen.

„Politischen Einfluss muss man nehmen, verschenkt wird er nicht.“

In der Beratung von Politik und Verwaltung geht es grundsätzlich darum, Tauschbeziehungen zu Entscheider*innen aufzubauen und zu pflegen. Als Tauschmittel von Lobbyisten dienen vor allem nützliche Informationen, Fachwissen, Einschätzungen und Lösungen, die Politik und Verwaltung in der Bewältigung oder Bewertung von konkreten Problemlagen dienen. Besondere Tauschmittel der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind z. B. die Expertise über die Lebenswelten sowie Interessen von Kindern und Jugendlichen oder die Bereitstellung von sozialintegrativ wirksamen Beteiligungskontexten. 6

Einen Überblick über die Bereiche, die für erfolgreiche Lobbyarbeit relevant sind, finden Sie in der Arbeitshilfe „Lobbyarbeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Eine Arbeitshilfe zur Durchsetzung politischer Interessen vor Ort“ auf https://agot-nrw.de/ueber-uns/veroeffentlichungen/. Die Arbeitshilfe kann als gedruckte Broschüre über info@agot-nrw.de kostenfrei bestellt werden. 8