Interessensvertretung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Interessensvertretung zielt darauf ab, die eigene(n) Einrichtung(en) langfristig abzusichern und zu stärken. Für Träger und Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bedeutet das in erster Linie, die finanzielle Förderung über den kommunalen Haushalt zu sichern und perspektivisch auszubauen.

Um das zu erreichen muss Jede*r selbst aktiv werden. Hierzu gehören die Beratung der Entscheider*innen und die Gestaltung von Entscheidungsprozessen in Politik und Verwaltung. …

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Die Arbeitsgemeinschaft Offene Türen in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGOT-NRW) ist seit ihrer Gründung 1971 die zentrale Interessensvertretung für die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) in NRW. Sie setzt sich gegenüber dem Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKJFGFI), den beiden Landesjugendämtern sowie beispielsweise den kommunalen Spitzenverbänden, Forschung und Wissenschaft und Partner*innen und Akteur*innen der Fachpraxis für die Belange junger Menschen und ihrer Einrichtungen ein. Durch den regelmäßigen Austausch mit Landtag, Ausschüssen und Parteien bringt die AGOT-NRW kontinuierlich die Perspektiven der Offenen Arbeit in politische Entscheidungsprozesse ein. 

Die Situation der OKJA ist derzeit stark angespannt. Globale Krisen, unzureichende Finanzierung, Fachkräftemangel und steigende gesellschaftliche Anforderungen prägen den Alltag vieler Einrichtungen. Die Corona-Pandemie, Preissteigerungen infolge des Angriffskrieges auf die Ukraine und die daraus resultierenden gestiegenen Bedarfe junger Menschen (Mentale Gesundheit, das Gefühl von Einsamkeit) haben die Strukturen zusätzlich belastet. 

Die AGOT-NRW fordert eine verlässliche, auskömmliche und dynamisierte Finanzierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge, wie es auch bestehende Gesetze fordern. Kürzungen gefährden nicht nur Angebote, sondern auch gesellschaftliche Teilhabe, Prävention und Demokratiebildung. OKJA ist keine freiwillige Aufgabe, die beliebig nach Haushaltslage der Kommunen zur Disposition gestellt werden kann, 1 sondern eine gesetzlich verankerte Pflichtaufgabe nach § 11 SGB VIII.2 

Strategische Interessensvertretung als Zukunftsaufgabe 

Der Rückgang von Ressourcen kann nur gestoppt werden, wenn Träger und Einrichtungen der OKJA strategisch handeln und ihre Interessen aktiv vertreten. Lokale Akteur*innen haben den größten Einfluss auf die politische Bedeutung ihres Arbeitsfeldes und damit auf seine Finanzierung. 

Im Unterschied zur kurzfristigeren „Lobbyarbeit“ betont die AGOT-NRW den Begriff Interessensvertretung, da dieser ein langfristiges, partnerschaftliches und transparentes Wirken in politischen und administrativen Prozessen beschreibt. Ziel ist die dauerhafte Absicherung und Stärkung der Angebote – insbesondere über den kommunalen Haushalt. 

Interessensvertretung ist eine Kernaufgabe jeder Trägerstruktur. Sie erfordert strategisches Denken, politisches Wissen und kontinuierliche Beziehungsarbeit. Einrichtungen der OKJA müssen auf kommunaler Ebene als gleichberechtigte Partnerin verstanden werden – und nicht als Bittstellerin  

 

Beratung und Einflussnahme in Politik und Verwaltung 

Interessensvertretung bedeutet, Entscheidungsprozesse aktiv mitzugestalten. OKJA bietet eine einzigartige Expertise über Lebenswelten, gelingende Beteilligungsprozesse und soziale Teilhabe. Damit wird ihr Fachwissen, ihre Praxisnähe und die Stimme junger Menschen zum zentralen, wertvollen3“Tauschmittel”, um Politik und Verwaltung bei der Lösung zahlreicher politischer Herausforderungen zu unterstützen.  

Die AGOT-NRW betont die besondere Fachlichkeit der Offenen Arbeit: Sie ist niedrigschwellig, freiwillig, partizipativ und inklusiv. Diese Prinzipien müssen als Qualitätsstandards anerkannt und finanziell abgesichert werden. Fachkräfte der OKJA sind Expert*innen für Lebensweltorientierung – ihre Expertise gehört selbstverständlich und grundsätzlich an den Verhandlungstisch 

Der Blick nach Innen – Mit einer Stimme sprechen 

Eine starke Interessensvertretung beginnt mit innerer Geschlossenheit. Einrichtungen und Träger müssen sich ihrer gemeinsamen Ziele bewusst sein, Zuständigkeiten klären und abgestimmte Botschaften formulieren. Nur wer intern gut vernetzt und kommunikativ ist, kann nach außen wirksam auftreten. 

OKJA macht ihre Wirkung sichtbar: Sie fördert Persönlichkeitsentwicklung, Demokratieverständnis, Bildungsgerechtigkeit und Resilienz. Diese Wirksamkeit ist ihr stärkstes Argument in politischen Aushandlungsprozessen. 

OKJA ist nicht nur eine Investition in die Zukunft, sondern vielmehr eine Investition in die Gegenwart, die die Zukunft positiv beeinflusst! Sie stärkt junge Menschen, fördert soziale Kohäsion und trägt zur Demokratiefähigkeit unserer Gesellschaft bei. Ihre Wirkung darf nicht erst im Krisenfall sichtbar werden – sie braucht dauerhafte öffentliche Anerkennung und Kommunikation. 

Der Blick nach außen – Netzwerke und Allianzen 

Erfolgreiche Interessensvertretung entsteht durch kontinuierliche Netzwerkarbeit. Dazu gehören Gespräche mit Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft, die Teilnahme an Ausschüssen, Fachtagen und Arbeitskreisen sowie der Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zu Entscheidungsträger*innen. 

Auch Allianzen mit anderen Akteur*innen der Kinder- und Jugendhilfe stärken die Position der OKJA – etwa über gemeinsame Stellungnahmen, Fachveranstaltungen oder Aktionsbündnisse. Dabei gilt: Transparenz, gemeinsame Ziele und gegenseitige Wertschätzung sichern langfristige Zusammenarbeit. 

Die AGOT-NRW plädiert für starke kommunale Netzwerke, die OKJA-Träger, Jugendverbände, Schulen und soziale Dienste verbinden. Nur gemeinsam kann die Kinder- und Jugendarbeit als kommunales Gesamtsystem sichtbar und zukunftsfähig bleiben. Kooperation ersetzt Konkurrenz – zum Wohl junger Menschen. 

Kommunalhaushalt und politische Einflussnahme 

Die kommunale Finanzierung der OKJA entscheidet sich im jährlichen oder zweijährlichen Haushalt. Bürgermeister*innen, Kämmerer*innen, Dezernent*innen und Fraktionen sind hier die zentralen Akteur*innen. Wer ihre Interessen, Zwänge und Entscheidungswege kennt, kann frühzeitig Einfluss nehmen. 

Jugendhilfeplanung (§ 80 SGB VIII), Kinder- und Jugendförderpläne, Leistungsvereinbarungen und Wirksamkeitsdialoge sind die formalen Instrumente, über die Förderentscheidungen strukturell verankert werden. Diese formalen Instrumente müssen durch den öffentlichen Jugendhilfeträger sichergestellt und genutzt werden bzw. von den freien Trägern eingefordert werden können.  Besonders in finanziell angespannten Zeiten sind stabile Beziehungen, gute Argumente und öffentliche Sichtbarkeit entscheidend, um Kürzungen zu verhindern. 

Die AGOT-NRW fordert, dass Fördermittel für die OKJA nicht als „freiwillige Leistung“, sondern als strukturelle Daueraufgabe behandelt und dynamisiert werden. Planungssicherheit ist Voraussetzung für Qualitätsentwicklung, Personalbindung und verlässliche Angebote. Politischer Wille ist gestaltbar – durch gute Argumente, klare Haltung und sichtbare Wirkung. 

Beteiligung junger Menschen als politische Ressource 

Jugendselbstvertretungen wie beispielsweise Jugendparlamente, Jugendforen, Jugendbeiräte und künftig Jugendhilfeausschüsse sind elementar für eine demokratische Kommune. Sie ermöglichen jungen Menschen echte Mitgestaltung und fördern politisches Bewusstsein. Dabei ist darauf zu achten, dass Beteiligungsinstrumente oder -formate so gestaltet sind, dass sie für alle jungen Menschen zugänglich sind. 

Beteiligung ist kein Zusatz, sondern ein Grundprinzip der OKJA. Alle Kinder und Jugendliche müssen als Expert*innen ihrer Lebenswelt anerkannt werden. Ihre Perspektive gehört in jede kommunale Planungsrunde – nicht nur symbolisch, sondern mitgestaltend und verbindlich. 

Erfolgreiche Interessensvertretung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ist kein punktuelles Projekt, sondern ein kontinuierlicher, strategischer Prozess. Sie beruht auf klarer Haltung, Fachlichkeit, Vernetzung und strukturell verankerter Beteiligung. 

Die AGOT-NRW versteht Offene Kinder- und Jugendarbeit als unverzichtbaren Bestandteil der kommunalen Infrastruktur. Sie fordert von Politik und Verwaltung, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass junge Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder sozialem Status Zugang zu Offener Kinder- und Jugendarbeit haben.
 

 

 

Einen Überblick über die Bereiche, die für erfolgreiche Lobbyarbeit relevant sind, finden Sie in der Arbeitshilfe „Interessensvertretung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit – Eine Arbeitshilfe zur Durchsetzung politischer Interessen vor Ort“ auf https://agot-nrw.de/ueber-uns/veroeffentlichungen/. Die Arbeitshilfe kann als gedruckte Broschüre über info@agot-nrw.de kostenfrei bestellt werden. 8