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Jugendliche dort abzuholen, wo sie sind, heißt, souverän im digitalen Meer zu surfen. Für die effektive Arbeit im Netz ist heutzutage mehr nötig, als die Grundfunktionen eines Computers mit Internetanschluss und der gängigen Software zu kennen.

Zwei der wichtigsten Prinzipien digitaler Medien für die Offene Kinder- und Jugendarbeit sind die Orts- und Zeitunabhängigkeit sowie der Wandel der Kommunikationsweisen. Einrichtungen der Offenen Arbeit, die überwiegend in stationären Räumen arbeiten, brauchen Wege, digital mit einzelnen Besucher*innen und Cliquen zu kommunizieren.

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Die herausragende Bedeutung von Digitaltechnik für die Offene Kinder- und Jugendarbeit ergibt sich allein aus der Tatsache, dass digitale Medien einen festen Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ausmachen.   Jugendliche zwischen  zwölf und 19 Jahren besitzen zu 96 % ein Handy/Smartphone, und von den genutzten Medien liegt das Smartphone und das Internet auf Platz eins. Dabei wird das Smartphone/Internet von 96 % der Befragten täglich genutzt.[1]

Das Feld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit hat sich längst digital auf den Weg gemacht. Jugendliche dort abzuholen, wo sie sind, heißt, souverän im digitalen Meer zu surfen. Für die effektive Arbeit im Netz ist heutzutage mehr nötig, als die Grundfunktionen eines Computers mit Internetanschluss und der gängigen Software zu kennen. Ohne Grundkenntnisse von WhatsApp, TicToc, YouTube, Facebook, Snapchat, Spotify, Google, Instagram, Netflix und Co. ist es für die Fachkräfte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit schwer, die Interessen und Leidenschaften ihrer Besucher*innen zu kennen. Gleichzeitig ändern sich Online-Mediennutzung und -Angebote rasant. Zugang zu und Kenntnisse  über die modernste Software erhält man idealerweise dadurch, dass Jugendliche ihre Apps selbst erläutern.

Zwei der wichtigsten Prinzipien digitaler Medien für die Offene Kinder- und Jugendarbeit sind die Orts- und Zeitunabhängigkeit sowie der Wandel der Kommunikationsweisen. Einrichtungen der Offenen Arbeit, die überwiegend in stationären Räumen arbeiten, brauchen Wege, digital mit einzelnen Kindern und Jugendlichen und Cliquen zu kommunizieren. Dies gelingt über Plattformen, die Interaktion und Teilen („sharing“) sowie Zusammenarbeit und Teilhabe ermöglichen. Junge Menschen für den Besuch von Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu motivieren, ist die Verbindung von analogen und digitalen Welten über emotionale Brücken: Die Einrichtungen sind nicht nur dadurch attraktiv, indem junge Menschen sich dort selbst frei, wohl und akzeptiert fühlen – sie haben dann einen besonderen Reiz, wenn sie Jugendlichen Gestaltungsmöglichkeiten im Internet und für die Verwendung digitaler Medien bieten.

Jugendliche erwarten, in Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit die ganze Palette von Online-Angeboten nutzen zu können. Hierzu zählen insbesondere

  • Online-Infrastruktur (Internetpräsenzen, die Jugendliche erreichen, W-LAN-Zugang, Spielkonsolen, …)
  • Kenntnisse über die angesagten Neuheiten aus der Unterhaltungs- und Spielbranche,
  • (Online-)Medienangebote, die von den Jugendlichen gestaltet werden können.

Die Covid-19-Pandemie hat die Auseinandersetzung mit der digitalen Jugendarbeit innerhalb der Offenen Kinder- und Jugendarbeit enorm beschleunigt. War der digitale Aspekt des Arbeitens schon länger ein Querschnittsthema der offenen Jugendarbeit, so ist dieser nun spätestens mit dem ersten Lockdown im Frühling 2020 ein fixer Bestandteil des Arbeitsalltags aller Jugendarbeiter*innen geworden. Neben unzähligen, vielfältigen digitalen Angeboten wurden ganze digitale Jugendzentren aufgebaut und umgesetzt, die zum Teil bis heute weiter existieren. Anfängliche Hürden bezüglich der notwendigen digitalen Ausstattung und Fragen zum Datenschutz, konnten zum Wohl der Kinder und Jugendlichen vielerorts schnell und unbürokratisch überwunden werden. Wir können in der Zeit der Pandemie regelrecht von einem Digitalisierungsboom sprechen, der das Arbeitsfeld nachhaltig verändert hat. Nicht zuletzt durch diese digitale (Weiter-)Entwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit konnte das Arbeitsfeld erneut unter Beweis stellen, wie jugendgerecht, flexibel und krisensicher es ist und damit seine gesellschaftliche Relevanz verdeutlichen.

Trotz des digitalen Wandels und der Erfahrungen zur Pandemiezeit bleiben die Aufgaben der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Kern die gleichen: Nämlich Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu begleiten und zu unterstützen. Durch das Internet als schier unerschöpfliche Quelle von Informationen, (Halb-)Wissen und Möglichkeitsräumen entstehen vielfältige digitale Jugendkulturen. Alle Jugendlichen haben gleichwohl gemein, dass sie auf der Suche nach Intensitäts-, Ganzheits- und Subjektivitätserfahrungen sind – auch im Netz.[i] Fachkräfte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit haben den Auftrag, Freiräume für diese Erfahrungen anzubieten. Sie können darüber hinaus junge Menschen bei der Entwicklung medialer Schlüsselkompetenzen unterstützen: Orientierung, Bewertung, Empathie, Verantwortung und Selbstbewusstsein gehören gleichermaßen zur kritisch-reflexiven Bewältigung des Offline- wie des Online-Alltags.

Weiterführende Literatur, Fortbildungen und Ansprechpartner*innen:

  • Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW
  • https://fjmk.de/
  • Freizeit Finder

https://www.freizeit-finder.com/

  • Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur

https://www.gmk-net.de/

  • jfc Medienzentrum e.V.

www.jfc.info

  • JIM-Studie 2022 – Jugend, Information, (Multi-) Media https://www.mpfs.de/studien/jim-studie/2022/
  • Digitale Jugendarbeit

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[1] (vgl. JIM Studie 2022).

[i] Hugger 2010: 9f.